Brünn 1870

Kalksburg 1933

Adolf Loos gehört zu den Welt anerkannten Architekten. Er ist für Gründer der modernen Architektur gehalten und deswegen zählt er zu enge Gruppe der bedeutendsten Architekten der Vorkriegszeit wie zB. Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Frank Loyd Wright. Er war nicht nur ein praktischer Architekt, aber auch ein hochgeschätzter Theoretiker der Architektur und bis zu einem gewissen Maß der Philosoph.  Adolf Loos wurde im Jahr 1870 in einer Steinmetzfamilie in Brünn geboren. Seine zukünftige Ausrichtung prägten nicht nur seine Erfahrungen aus der väterlichen Werkstatt und nicht abgeschlossene Architekturstudien. Große Lebenserfahrung brachte ihm ein dreijähriger Aufenthalt in Amerika (1893-1896). Der Aufenthalt in Amerika und vor allem der Besuch einer internationalen Ausstellung in Chicago beeinflussten Loos´ Haltung zur Architektur nachhaltig. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Wien nieder. Adolf Loos richtete sich in Wien sein eigenes Atelier ein und begann regelmäßig zu publizieren. In seinen Artikeln lehnte er im Großen und Ganzen den damaligen allgegenwärtigen Dekorativismus und alles, was in Architektur wie Gebrauchskunst der vollen funktionalen Ausnutzung des Werkes entgegenstand.

 

Für Loos´ Arbeit ist das sogenannte Raumplan – Prinzip sehr wichtig. Ein besonderes Merkmal ist die dreidimensionale Denkweise des Architekten, die sich beispielsweise darin zeigt, dass verschiedene Ebenen im Raum kreiert wurden. Verschiedene Räume bekommen durch die Verwendung von kleinen Treppen verschiedene Höhen im Gesamtraum. Ebenso erhalten die unterschiedlichen Räume auch unterschiedliche Deckenhöhen – natürlich immer angepasst an die Funktion des jeweiligen Raumes. Das Raumplan ist ein Resultat Loos´ vollkomenden räumlichen Denken. Sein erstes wichtiges architektonisches Werk realisierte Loos erst im Jahr 1899. Es handelte sich um das Kaffeehaus Café Museum in Wien, welches für sein ungewohnt nüchternes Aussehen die Bezeichnung Café Nihilismus erhielt. Der Höhepunkt der Bauten seiner ersten schöpferischen Phase, die in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg fällt, wurde der Bau des Geschäftsgebäudes Goldman & Salatsch (1910) auf dem Michaelerplatz in Wien, ebenfalls als „Haus ohne Augenbrauen“ bezeichnet.

 

In Tschechien projektierte er einige Einfamilienhäuser in der Umgebung von Brünn, in Prag die Müller Villa und die Winternitz Villa, in dem er durchgängig das sogenannte Raumplan-Prinzip anwendete.
Ein eigenständiges Kapitel stellt Loos` Aufenthalt in Pilsen dar. Zwischen Jahren 1907 – 1932 schuf er hier eine ganze Enklave interessanter Interieur-Realisationen. Während seines zweiten Aufenthaltes in Pilsen kam er Klara Beck näher, der Tochter seines bedeutenden Klienten Otto Beck, die später seine dritte Ehefrau

Adolf Loos

und Pilsen

Zum Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts war Pilsen ein bedeutendes Industriezentrum der Monarchie Österreich-Ungarn. Zu den bedeutendsten Unternehmen der Monarchie gehörten die Fabriken von Emil Škoda, die sogenannten Škoda-Werke, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Industriegiganten von europäischer Bedeutung wurden. Im sich dynamisch entwickelnden Pilsen entstanden Werkstätten, Fabriken und Industrieunternehmen. Zur wohlhabenden Unternehmerschicht gehörte auch die Familie von Vilém Hirsch. Im Jahr 1907 lernten die frisch verheirateten Hirschs den berühmten Architekten Adolf Loos kennen. Sie entschlossen sich, Loos darum zu bitten, für sie die Innenräume ihrer Pilsner Wohnung in der Straße Plachého 6 zu entwerfen. Vilém Hirsch erinnerte sich später daran zurück, das Adolf Loos die erste Idee für den Entwurf blitzschnell auf einem einfachen Umschlag skizzierte. Dank den frisch vermählten Hirschs kam Adolf Loos nach Pilsen, das später in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielte. Loos freundete sich hier mit Familien an, die aus der hiesigen jüdischen Gemeinde stammten und die miteinander durch unternehmerische und familiäre Verbindungen verflochten waren. Für sie schuf er hier mindestens 13 Realisierungen, vornehmlich Interieure. Von dieser Gesamtzahl sind bis heute acht erhalten geblieben und zwei davon wurden nach Loos` Konzept von seinen Nachfolgern realisiert.

Es muss eine Überraschung entstehen.
Ich betrete einen voll beleuchteten
und ausgestatteten Raum und muss
"ach" sagen!

Warum

ist

Loos in Pilsen

in Vergessenheit

geraten?

Die Tatsache, dass in Pilsen der berühmte Architekt Adolf Loos gewirkt hatte, war der kulturellen Öffentlichkeit bis vor kurzem unbekannt. Die ursprünglichen Eigentümer jüdischen Ursprungs verließen unter der Bedrohung des anrückenden Nazismus im Verlauf der 30er Jahre ihre Wohnungen, einige kamen sogar in Konzentrationslagern ums Leben. Ihre Häuser wurden von den Besitzern konfisziert und nach dem Krieg vom kommunistischen Regime. Aus den Wohnungen wurden Büros oder sie wurden in kleinere Wohneinheiten aufgeteilt. Einzigartige Interieure wurden so oftmals erheblich beschädigt oder zerstört. Die ursprünglichen Besitzer kehrten nie mehr (bis auf eine einzige Ausnahme) in die Wohnungen zurück, und so verlor sich das Wissen über Loos` Schaffen langsam aus dem Gedächtnis der Stadt. Ende der 60er Jahre gelang es der Historikerin Věra Běhalová die Majorität der Pilsener Wohnungsinterieure unter Denkmalschutz zu stellen. Sie wurde von der tschechoslovakischen Geheimnispolizei - StB verfogt, zum Glück gelang es ihr im Jahr 1968 nach Österreicht zu emigrieren. Den ersten Schritt zu ihrer Rettung unternahm die Stadt erst um das Jahr 2004 herum, als der Salon mit Esszimmer in der Klatovská Straße 12 teilweise rekonstruiert wurde. Seine komplette Erneuerung wurde erst im Jahr 2014 abgeschlossen und in demselben Jahr wurde auch die Innenausstattung in der Bendová Straße 10 rekonstruiert. Die Stadt unterstützte finanziell gleichfalls die vollständige Rekonstruktion des Interieurs im Haus der Brummlers in der Husova Straße 58. Diese drei Innenausstattungen sind die Grundlage für die neue Besichtungsstrecke für die Öffentlichkeit, die von der städtischen Zuschussorganisation Plzeň-TURISMUS betrieben wird. Eine schrittweise Rekonstruktion verläuft ebenfalls in der Semler Villa in der Klatovská Straße 110 unter der Obhut der Westböhmischen Galerie in Pilsen. Nach der ersten Phase der Wiederherstellung ist seit November 2015 auch ein Teil dieses Objekts der dritte Bestandteil des Besichtigungsrundgangs der Loos-Interieure in Pilsen.

Ich zwinge
den Wohnungsbesitzer dazu,
in der ganzen Wohnung
zu wohnen und nicht
nur in der Küche.